Westwind-Container

Westwind ist neben Regen und platten Reifen so ziemlich das Letzte, was wir auf unserer Tour gebrauchen können. Vielleicht noch getoppt von Südwestwind. Westwind in Hamburg hingegen, finden wir super, weshalb wir den Verein ja auch unterstützen und warum wir euch heute zumindest ein wenig mehr über den Verein berichten wollen.

Im Juli 2015 fanden sich einige Leute mit dem Ziel zusammen Flüchtlingen zu mehr Mobilität zu verhelfen. Und welches Fortbewegungsmittel wäre dafür besser geeignet als das Fahrrad, relativ preisgünstig, umweltfreundlich, flexibel. Die Liste ließe sich noch deutlich erweitern. Aus der Idee wurden Taten.

Zunächst wurde in Kellern, Garagen oder wo auch immer Platz und Werkzeug vorhanden war, geschraubt und auch gleich im Juli 2015 das erste Fahrrad an Flüchtlinge in Schenefeld übergeben. Da die Keller im Bekannten- und Freundeskreis nur eine begrenzte Anzahl alter Räder hergaben, kam dann im August mit der Facebook-Gruppe der Gang an die Öffentlichkeit hinzu. Im gleichen Zuge entstand auch der Name Westwind. Dieser soll den Hamburg-Bezug widerspiegeln, denn wie jeder Fahrradfahrer in Hamburg weiß, ist die Hauptwindrichtung in Hamburg West. Die ersten Fahrräder unter dem Namen Westwind konnten dann im August an vier minderjährige Flüchtlinge in Wandsbek übergeben werden.

Die erste feste Bleibe fand man Mitte November 2015 in der Produktionsschule Eimsbüttel im Basselweg. Schnell war aber klar, dass auch dies kein Dauerzustand sein konnte. Letztlich waren die Räume eben nicht die eigenen und natürlich primär für andere Zwecke bestimmt.

Manchmal muss man einfach Glück haben und nette Menschen kennen. Als eine Unterstützerin von Westwind zwei ausrangierte Bürocontainer angeboten bekam, griff eine Aktivistin von Refugees Welcome Karoviertel beherzt zu und überließ diese kurzerhand Westwind. Gleichzeitig stellte das Centermanagement der Rindermarkthalle St. Pauli auch noch einen Außenstellplatz auf dem Parkplatz zur Verfügung. Um das Ganze dann noch zu toppen, übernahm RW Karo zusätzlich noch die Transportkosten für die Container. So konnten dann Mitte Januar 2016 die Container und damit auch der heutige Standort als eigene Heimat bezogen werden. Nicht unerwähnt wollen wir lassen, dass auch die Folgekosten (Strom und Miete) dank des EDEKA Marktes in der Rindermarkthalle gleich 0,- betragen. Somit können dann auch alle Einnahmen (Spenden) in die eigentliche Aufgabe fließen!

Auch wenn sich sicherlich alle am liebsten ausschließlich aufs Schrauben und Verteilen konzentriert hätten, war es parallel notwendig, das ganze Projekt auf solide Beine zu stellen. So wurde am 19.12.2015 der Verein Westwind Hamburg gegründet. Da die Behördenmühlen in diesem schönen Land aber bekanntlich etwas langsamer malen, dauerte es nur schlappe drei Monate und viele kleine bis größere Formalitäten, bis dann am 30.03.2016 der Verein auch ins Vereinsregister aufgenommen wurde. Wer nun glaubt, dass die Aufnahme auch gleichbedeutend mit einer Anerkennung auf Gemeinnützigkeit ist, der muss leider enttäuscht werden. Das Finanzamt vermisste leider drei, ich wiederhole ganze drei Worte in der Satzung. Tja, Pech gehabt. Da denkt man als Laie (so wie mein Bruder und ich): Wo ist das Problem? Trägst du einfach die drei Worte nach und gut ist! Wieder falsch gedacht. Westwind Hamburg war ja nun ein eingetragener Verein und für eine Satzungsänderung somit eine Mitgliederversammlung notwendig. Klar, triffst dich kurz auf ein Bierchen in der Kneipe deiner Wahl, alle heben einmal die Hand und fertig. Schon wieder Pustekuchen. Eine Mitgliederversammlung braucht erstmal eine ordentliche und vor allem fristgerechte Einladung. Du triffst die Mitglieder sowieso fast jeden Tag? Völlig egal! Supi, eingeladen, Mitgliederversammlung abgehalten, Satzungsänderung beschlossen und nun? Tja, kannst du mit der frisch geänderten Satzung nicht einfach wieder zum Finanzamt gehen, nein erstmal zurück zum Amtsgericht! Und wie lange die beim ersten Mal gebraucht haben, könnt ihr weiter oben lesen. Gut diesmal brauchte das Amtsgericht dann nicht ganz so lange. Jetzt das Ganze wieder zum Finanzamt und dann warten…und warten tut Westwind noch heute. Man ist zwar guter Hoffnung, dass die Anerkennung der Gemeinnützigkeit nicht mehr ganz so lange auf sich warten lässt, aber wir für unseren Teil fühlen uns ein wenig an Asterix und Obelix erinnert… Wir drücken die Daumen, dass bald alles gut wird!

Zum Glück ging es zumindest in und um die Container gut weiter. Sahen die Container anfangs eher trist aus, wurden sie Mitte April dann von der Street Art School in schickem hellblau aufgehübscht. Es kamen eine ganze Menge Fahrradspenden zusammen und die Freude der Flüchtlinge und ihrer Begleiter, wenn mal wieder Fahrräder übergeben werden konnte, entschädigte sicher für die Frustration mit der Bürokratie. Mittlerweile hatte sich das Projekt entsprechend rumgesprochen und die Nachfrage stieg stetig. Trotz der mittlerweile ca. 450 fertiggestellten und übergebenen Fahrräder, ist die Warteliste mittlerweile auf gut 200 Fahrräder angewachsen!!! Häufig mangelt es nicht an Rädern (diese werden natürlich auch weiterhin sehr gerne genommen), sondern an Ersatzteilen bzw. dem Geld diese anzuschaffen.

Neben all diesen Dingen wurde dann Mitte April die erste Refugees Friendship Tour ins Leben gerufen. Eine Radtour für Flüchtlinge und Hamburger gleichermaßen. Es war eine tolle Begegnung und da sprechen wir aus eigener Erfahrung! Aufgrund der erfolgreichen Premiere wurde die Tour im Mai gleich wiederholt und soll nun an jedem zweiten Sonntag im Monat stattfinden. Wer sich davon also selbst ein Bild machen will, sollte den nächsten Termin am 12. Juni 2016 schon mal notieren. Start und Ziel ist jedes Mal auf dem Vorplatz der Rindermarkthalle St. Pauli im Neuen Kamp, Treffen um 11:00. Sehr gerne dürfen zusätzliche Fahrräder zum verleihen (auch Stadträder) mitgebracht werden. Die Warteliste erklärt warum!

Damit die Arbeit weitergeht und die Warteliste wenigstens ein bisschen kürzer wird, benötigt Westwind, neben Geld für Ersatzteilen, natürlich auch weiterhin Sachspenden in Form von Fahrrädern. Wer also ohnehin endlich mal seinen Keller ausmisten wollte oder sich einfach mal ein Bild von der Arbeit von Westwind machen möchte, unbedingt mal bei den Containern vorbeischauen.

Spendenannahme bei Westwind Hamburg e.V. jeden Samstag (also auch morgen!) zwischen 16:00 und 19:00

Die Container befinden sich etwas versteckt am hintersten Rand des Parkplatzes der Rindermarkthalle St. Pauli im Neuen Kamp (direkt U-Bahn Feldstraße).

Hier findet ihr eine kleine Skizze mit dem Standort des Containers: Skizze_Westwindcontainer

Schaut also einfach mal vorbei oder fahrt bei der nächsten Refugees Friendship Tour.

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Hannes und Jonas

PS: am dringensten benötigt werden derzeit neben Fahrrädern:

  • Teile für Kinderräder (insbesondere Reifen)
  • Ketten
  • Kassetten
  • Felgen
  • Schläuche
  • große Reifen
  • Züge für Bremsen und Schaltung