Gestern haben wir ein paar Dinge bei der Kleiderkammer der Luthergemeinde Bahrenfeld abgegeben. Die Kleiderkammer versorgt vor allem das Erstaufnahmelager in der Schnackenburgsallee. Unser Kombi war voll als wir kamen und binnen ca. 30 Sekunden nach der Ankunft auch schon wieder leer. Das lag in erster Linie an den vielen Helfern, die sofort mit angepackt haben. Unter den Helfern waren auch einige Flüchtlinge, die besonders tatkräftig mithalfen und einer von ihnen war „Hulk“!

„Hulk“ heißt eigentlich Zuhair, ist 32 Jahre alt und kommt aus dem Irak. Wir kamen ein wenig ins Gespräch. Zuhair versteht bereits recht gut Deutsch, nur mit dem Sprechen ist es noch ein wenig holprig. Gut, dass meist andere Flüchtlinge vor Ort sind, die bei der Übersetzung helfen. Er erzählte uns, dass er im Irak als LKW-Fahrer für die Amerikaner gearbeitet hat. Nach dem Abzug war die Situation für ihn dann alles andere als sicher, so dass er sich schweren Herzens entschloss Eltern und Geschwister zurückzulassen und zu versuchen nach Europa zu gelangen.

Hulk

Zuhair ist nun seit einem Jahr und 2 Monaten in Hamburg und bereits seit acht Monaten unterstützt er mit viel Elan Bettina, die die Kleiderkammer der Luthergemeinde stets im Griff hat.

Doch bis Zuhair überhaupt nach Hamburg kam, musste er zunächst vom Irak in die Türkei fliehen, nach sieben Tagen Aufenthalt in der Türkei ging es mit dem Boot weiter Richtung Italien. Ganze sieben Tage verbrachte Zuhair auf dem Boot. Wir haben nicht näher über die Verhältnisse an Bord gesprochen, aber allein die Dauer der Überfahrt hat Aussagekraft genug. Wir können und wollen uns das gar nicht erst näher vorstellen. Von Italien ging es dann weiter über Österreich nach Deutschland und schlussendlich nach Hamburg.

Seit etwa fünf Monaten hat Zuhair nun auch ein Fahrrad aus dem Pool von Westwind, welches er uns auch freudig vorführte und damit für ein Foto posierte. Vor allem für kürzere Strecken nutzt er es sehr viel und wollte gleich (wenn auch halb im Scherz) mit nach Paris kommen. Aber selbst wenn er es ernst gemeint hätte, so wäre es ihm aus rein rechtlichen Gründen gar nicht möglich Hamburg zu verlassen, ohne dabei seine Chance auf Asyl zu verspielen. Aber zumindest innerhalb Hamburgs hat Zuhair dank des Fahrrads enorm an Mobilität gewonnen.

Am Donnerstag werden wir nochmals vorbeifahren – mein Arbeitgeber hat noch ein paar Trinkflaschen abzugeben, die die Kleiderkammer gut gebrauchen kann – dann treffen wir hoffentlich auch Zuhair wieder.